Kerntechnisches Regelwerk verrottet in Röttgens Schubladen
Das so genannte „kerntechnische Regelwerk“ beinhaltet vor allem die dringend benötigten erhöhten Sicherheitskriterien und Störfall-Leitlinien für AKW. Doch eineinhalb Jahre passierte nichts. Kurz nach dem Reaktorunfall in Japan geißelte Röttgen in einer Pressemitteilung seinen Vorgänger Gabriel (SPD). Röttgen habe „eine unerledigte Aufgabe“ seines Amtsvorgängers übernommen.
Röttgens Vorwurf, Gabriel selbst habe eine Probezeit bis 2011 vereinbart, scheint unglaubwürdig. In der gleichen Zeit war es Schwarz-Gelb sogar möglich, den Atomausstieg der Vorgängerregierung am Bundesrat vorbei ins Atomgesetz zu bringen. Man muss es halt wollen. Phrasen wie „Sicherheit geht vor Wirtschaftlichkeit“ entpuppen sich so nur als pure Wahlkampfrethorik.
Rainer Baake, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, fordert Röttgen im ZDF auf, dass er „seiner Verantwortung gerecht wird“ und das kerntechnische Regelwerk in Kraft setzt. Wenn dies nicht geschehe, so Baake, würde die aktuell diskutierte Überprüfung der Sicherheit von Atomkraftwerken auf der Grundlage eines Regelwerks stattfinden, das in Teilen Jahrzehnte alt ist. Baake geht davon aus, dass Röttgen sich nicht traut das KR in Kraft zu setzen, da dann die Sicherheitsdefizite der Atommeiler offenkundig würden. • hjk
