Aktionsplan für die Energiewende in Waldkirch

Bausteine unserer Bürgerinitiative für ein mittelfristiges Energie- und Klimaschutzkonzept

Energiewende und Klimaschutz gehören zu den wichtigsten Zukunftsthemen. Es geht darum die CO2-Emmissionen zu senken, endgültig aus der Atomenergie auszusteigen und vollständig auf erneuerbare Energien umzustellen. Die Energiewende muss letztlich gemeinsam mit den Bürgern auch auf lokaler Ebene umgesetzt werden – dort, wo die Menschen leben und arbeiten.

Waldkirch hat in den letzten Jahren schon wichtige Maßnahmen eingeleitet, unter anderem deutliche Energieeinsparungen in städtischen Gebäuden und die Installation zahlreicher Bürgerphotovoltaikanlagen . Aber noch längst sind nicht alle Potenziale ausgeschöpft. So sind z.B. die Planungen zum Ausbau der Windenergie ins Stocken geraten. Die Verwaltungsgemeinschaft Waldkirch-Gutach-Simonswald ist hier mit  starken Naturschutzrestriktionen  konfrontiert worden.

Mit dem vorliegenden Energiewende-Aktionsplan hat unsere BI versucht den derzeitigen Stand der Energiewende in Waldkirch zu beschreiben, Probleme bei der Umsetzung zu benennen und Ideen für weiterführende Maßnahmen zu entwickeln. Als größte ungenutzte Potenziale wurden die Erhöhung der Energieeffizienz, weitere Energiesparmaßnahmen und der Ausbau der Windkraft identifiziert. Zudem sollten aber auch Sonnen- und Wasserkraftnutzung weiter intensiviert werden.

Den vollständigen Aktionsplan gibt es hier

Faktencheck Windenergie

Von Windenergiegegnern im Elztal werden auf Veranstaltungen und in Leserbriefen immer wieder Argumente angeführt, die einer näheren Überprüfung nicht standhalten. Wir haben einige dieser Behauptungen einem Faktencheck unterzogen und möchten die Ergebnisse hier mit der Angabe von allgemein zugänglichen Quellen präsentieren.

Behauptung: Die Windkraft trägt nur mit ca. 1,5 % zur Energieversorgung in Deutschland bei und leistet damit einen vernachlässigbaren Beitrag zum Klimaschutz

Die Zahl von 1,5 Prozent ist auf den gesamten deutschen Primärenergieverbrauch inkl. Verkehr, Wärmeenergie, etc. bezogen. Bei der deutschen Stromerzeugung lag der Anteil der Windkraft  2015 nach vorläufigen Zahlen des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. (BDEW) aber bei 13,3 % und nur noch knapp hinter der Atomenergie (14,1 %). Die Windenergie ist somit neben der Fotovoltaik eine tragende Säule der Energiewende.

Behauptung: Von Windrädern ausgehender Infraschall ist eine unzumutbare Gesundheitsbelastung

Infraschall wird von allen sich bewegenden Objekten ausgesandt und ist ein Bestandteil unserer natürlichen Umgebung (z.B. bei fließenden Gewässern, Meeresbrandung, Wind, Donner). Er besteht aus Schallwellen, die unterhalb der menschlichen Hörschwelle liegen. Auch von vielen technischen Geräten, die sich bewegen oder vibrieren, geht Infraschall aus (z.B. Fahr- und Flugzeuge, Heizungsanlagen, Waschmaschinen, Kühlschränke, Windräder).
Die Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz (LUBW Karlsruhe) hat seit 2013 vergleichende Messungen an Windrädern und weiteren Infraschallquellen durchgeführt. Dabei wurde gefunden, dass der Infraschallpegel im Nahbereich (< 300 m) von gängigen modernen Windkraftanlagen (1,8 und 3,2 MW) auf dem gleichen Niveau lag wie der des innerstädtischen Straßenverkehrs. Im Abstand von circa 700 m waren die Infraschallpegel von eingeschalteten Windrädern nur unwesentlich höher als die von ausgeschalteten Anlagen, da der meiste Infraschall in dieser Entfernung vom Wind selbst verursacht wurde. Die höchsten Infraschallpegel wurden in einem fahrenden PKW bei 130 km/h gemessen, einer Situation, der viele Menschen über längere Zeit ausgesetzt sind. Von den im Vergleich zum Verkehr niedrigen Infraschall-Intensitäten in der Umgebung von Windrädern sind nach Aussagen der LUBW keine negativen gesundheitlichen Effekte zu erwarten.  

Behauptung: Bei starkem Windaufkommen müssen die grundlastfähigen Wasserkraftwerke am Rhein extrem stark gedrosselt werden und das Rheinwasser fließt ungenutzt ab.

Seit Dezember 2014 bietet die Fa. Energiedienst als Betreiber der Wasserkraftwerke Rheinfelden und Laufenburg Wasserkraftstrom als „negative Regelleistung“ an (Badische Zeitung vom 15.3.16). Das heißt, dass bei einem Strom-Überangebot bestimmte Kraftwerke schnell ausgeschaltet werden, um das Netz zu entlasten. Dies wird mit den Betreibern vertraglich vereinbart und ermöglicht ihnen Zusatzerlöse. Der Verkauf von einer solchen Regelleistung ist zwar ein Verlust von sauberem Strom. Da solche Drosselungen aber nur für 15-30 min erfolgen, ist die verlorene Strommenge übers Jahr betrachtet gering. In der Summe darf die Fa. Energiedienst am Hochrhein maximal drei Prozent des Stroms zugunsten der Systemstabilität opfern. Wasser- und auch Windkraft werden für solche Regelleistungen zunehmend attraktiver, da Kohlekraftwerke dafür zu unflexibel sind und bei hohem Stromangebot einfach weiterlaufen.

Behauptung: Man braucht 50.000 Windräder, um ein einziges AKW zu ersetzen  

Diese Zahl ist mindestens um den Faktor 10 zu hochgegriffen. Bei einer älteren Berechnung aus dem Jahr 2011 kam tagesschau.de auf 4400 Windräder, die nötig sind um ein AKW zu ersetzen.

Hier noch ein aktueller Vergleich aus unserer Region. Der Fessenheimer Block 1 hat 2015 nach Angaben der internationalen Atomenergiebehörde insgesamt  7,19 Mrd. kWh  Strom produziert (Block 2: 5,67 Mrd. kWh). Moderne Windräder im Schwarzwald (z.B. das 3 MW Windrad Tännlebühl Freiamt) produzieren im Jahr ca. 5 Mio. kWh Strom. Um den Fessenheimer Block zu ersetzen, bräuchte man also ca. 1450 Windräder dieser Leistungsklasse.

Einen weiterführenden Faktencheck gibt es auch beim BUND und beim NABU.

Wie kann der Übergang in eine postfossile, dezentrale Wirtschaft gestaltet werden?

Mit dieser wichtigen Zukunftsfrage beschäftigt sich die sogenannte Transition-Town-Bewegung („Stadt im Wandel“). Sie wird getragen von  Umwelt- und Nachhaltigkeitsinitiativen in vielen Städten und Gemeinden auf der ganzen Welt. Ausgangspunkt war die Erkenntnis, dass die nationale und internationale Politik nicht entsprechend auf die Herausforderungen des Klimawandels und des bevorstehenden globalen Ölfördermaximums („Peak Oil“) reagiert und daher die Kommunen von sich aus mit vorbereitenden Maßnahmen auf knapper werdende Roh- und Treibstoffe reagieren müssen. Die von Transition Towns initiierten Gemeinschaftsprojekte umfassen Maßnahmen zur Verbrauchsreduktion von fossilen Energieträgern sowie zur Stärkung der Regional- und Lokalwirtschaft. Nähere Informationen gibt es hier.

TERMINE & VERANSTALTUNGEN

Unser nächstes BI-Treffen

findet am Mittwoch, 28.09.2016, 20.00 Uhr im Gasthaus Stadtrainsee (Wintergarten) statt

Themen:

AK Klimaschutz, TTIP/CETA-Veranstaltung, Wind-FNP

Klimakreis Waldkirch

Auftaktveranstaltung am 6. Oktober, 19 Uhr, Kastelbergschule

Veranstalter: Stadt Waldkirch. Den Einladungsflyer finden sie hier.

Nähere Informationen folgen bald.

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