Eon: Die Zukunft ist schon fast zehn Jahre alt

28.01.12 Anna Kuhn ist wieder da. Beziehungsweise ein weiteres Motiv der Eon-Kampagne, in der sich der Atomkonzern mit dem Gesicht einer jungen Frau als zukunftsfähiger Stromversorger zu präsentieren sucht. Die Annonce, die zu Weihnachten beispiels­weise in der Süddeutschen Zeitung oder im Berliner Tages­spiegel erschien, setzt den künstlichen Dialog aus dem ersten Motiv fort.

Wie die von Eon versprochene „Zukunft der Energie" denn „konkret" aussehe, lautet diesmal die Frage. Antwort: „Hallo Frau Kuhn, zum Beispiel so: Wir bauen den Windpark ‚Amrum­bank West' in der Nordsee."

Amrumbank West? Amrumbank West? Klingt irgendwie bekannt.

Genau, das ist einer jener Wind­parks vor der deut­schen Nord­see­küste, über die seit mehr als zehn Jah­ren gere­det wird. Be­reits im Jahr 2000 wurde der An­trag für das Projekt gestellt, Eon hat es 2002 vom nieder­säch­si­schen Wind­kraft­pionier Ingo Rennert über­nommen. Seit­dem, schreibt der Konzern in einem „Factsheet" zu Amrumbank West, treibe man die Entwicklung des Windparks voran.

Nunja, besonders erfolgreich war Eon damit nicht. Bereits im Juni 2004 er­teil­te das zuständige Bundesamt für Seeschiffahrt und Hydrographie die Ge­neh­mi­gung, also vor geschlagenen siebeneinhalb Jahren. Im April 2005 wurde ein Messpfahl errichtet, unter anderem für Winddaten. Und dann passierte – erstmal nichts. Eon sagt, der Grund dafür lag in technischen Schwie­rig­kei­ten – und in der Tat hatte nahezu die gesamte Windkraftbranche unterschätzt, welche Herausforderung der Schritt vom Land aufs Meer ist. Doch gerade Eon ist in Fachkreisen seit Jahren nach­gesagt worden, diverse Offshore-Pro­jek­te aufzukaufen und dann zu bremsen. Ziel sei, so der Verdacht, die profi­ta­blen Atom- und Kohle­kraft­werke vor unlieb­samer Konkur­renz zu schützen. Tatsächlich hat der Konzern früher gern gegen die Wind­kraft polemi­siert. Und vor zwei Jahren gab Eon selbst zu, Wind­parks aus Rendite­gründen lieber im Ausland zu bauen.

Jedenfalls glänzte Eon bei der Off­shore-Wind­kraft und beim Projekt Amrum­bank West bisher vor allem durch Ankündigungen:

  • 2004 – avisierter Baubeginn für Amrumbank West: 2008
  • 2006 – Eon kündigt an, bei der Offshore-Windkraft „die führende Rolle" zu übernehmen bis 2011 in deutschen Gewässern Anlagen mit 500 MW Leistung zu errichten
  • 2008 – der zuständige Eon-Manager wird mit den Worten zitiert: „Endlich geht es los"
  • 2010 – Eon terminiert die „endgültigen Inbetriebnahme" von Amrumbank West „bis spätestens 2014″
  • 2011 – „ab 2015″, so die aktuelle Ankündigung, soll der Windpark Strom ins Netz einspeisen

Doch nicht einmal darauf will sich Eon in der Zeitungsannonce festlegen. Dort heißt es: „Mit dem Bau des Hochsee-Windparks Amrumbank West werden wir in wenigen Jahren weitere 650.000 Menschen in Deutschland mit grünem Strom versorgen.“

Wow, „in wenigen Jahren"! Der Konzern wirbt also mit einem Projekt, das er bereits seit einem Jahrzehnt in Arbeit hat und dessen Fertigstellung nicht genau feststeht. Hatte die Frau Kuhn in der Annonce nicht nach etwas „Konkretem" gefragt??

P.S.: Sie fragen sich, was aus Eons Ankündigung von 2006 geworden ist? Bis heute ist bloß der Windpark „Alpha Ventus" am Netz – und dessen 60 MW muss sich der Konzern auch noch mit Vattenfall und EWE teilen. Aus einst versprochenen 500 MW wurden also lediglich 20 MW. Für die „Energie der Zukunft" wünschen wir Eon mehr Erfolg.

Vielen Dank an „Der Klima-Lügendetektor“.

Kommentar von uns: Die Atomkonzerne wollen keine „Energie der Zukunft“, die wollen nur eins: sehr viel Geld verdienen. Den grünen Strom machen derweil Hunderttausende Bürger mit Tausenden von Solar- und Windenergieanlagen. Deren Anteil liegt mittlerweile bei rund zwanzig Prozent. Kaufen Sie Ihren Strom dort, wo auch garantiert grüner Strom verkauft wird. Zum Beispiel bei EWS Schönau.

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