Stadtwerke Waldkirch (SWW)

Die Stadtwerke Waldkirch (SWW) haben am 1.2.1999 ihren Betrieb aufgenommen, nachdem die Stadt das Stromnetz vom Badenwerk (heute EnBW) im Jahr 1998 für 16 Mio. DM zurückgekauft hatte. Vorausgegangen waren jahrelange heftige lokalpolitische Diskussionen, in denen sich unsere Bürgerinitiative für einen Rückkauf des Stromnetzes und die Gründung eigener Stadtwerke eingesetzt hatte. Wir hatten die Erwartung, dass sich ökologische Ziele mit eigenen Stadtwerken besser realisieren lassen als bei einer Neuvergabe des Konzessionsvertrags an das Badenwerk. Zum 1.10.2000 wurden das Wasserwerk und zum 1.1.2006 auch noch die Gasversorgung in die Stadtwerke eingegliedert.

Die Stadtwerke gehören zu 65% der Stadt Waldkirch und zu 35% der Albwerk Energieversorgung in Geislingen. An der Albwerk-Tochter ‚Albwerk GmbH & Co. KG’ ist seit 2000 die EnBW Kommunale Beteiligungen GmBH mit 25,1% beteiligt.

Geschäftsführer der SWW ist seit 2015 Thorsten Ruprecht. Der Aufsichtsrat der SWW hat seit 2014 neun Mitglieder. Sechs davon vertreten Waldkirch (OB Götzmann, Hr. Fliegner/Dezernatsleiter, sowie die Gemeinderäte Ringwald/CDU, Dold/SPD, Schoch/DOL, Trenkle FWW). Drei weitere Mitglieder gehören der Leitungsebene der Albwerke an. Die Stadtwerke haben heute ca. 40 Mitarbeiter. Für die Stadt bilden die Stadtwerke eine wichtige Einnahmequelle, da Konzessionsabgabe, anteilige Gewinnausschüttungen und Gewerbesteuer in die Stadtkasse fließen.

Im Jahr 2013 wurden ca. 10 % der in Waldkirch verbrauchten Strommenge lokal durch dezentrale Kleinkraftwerke erzeugt. Den überwiegenden Stromanteil müssen die Stadtwerke Waldkirch bei externen Vorlieferanten (z.B. Stromhändler, EnBW, Strombörse) einkaufen.

Die Stadtwerke haben während ihres bisherigen Bestehens zahlreiche ökologische Projekte realisiert. Dazu gehören:

- Der Betrieb von 4 eigenen Photovoltaikanlagen, die pro Jahr ca. 80.000 kWh Strom produzieren

- Den Bau von 5 Bürgerphotovoltaikanlagen

- Die Förderung von privaten Photovoltaikanlagen und Blockheizkraftwerken über den Ökofonds, der von freiwilligen Strompreisaufschlägen privater Kunden gespeist wird

- Den Bau einer Hackschnitzelheizanlage im Geschwister-Scholl-Gymnasium (in Betrieb seit Ende 2004). Mit knapp 4.000.000 kWh Wärme/Jahr werden u.a. das Gymnasium, das Berufsschulzentrum, das St. Nikolai-Stift, die Stadthalle, die Kastelbergschule und das am gegenüberliegenden Elzufer gelegene Neubaugebiet ‚Im Amtsfeld’ versorgt.

- Die Aufnahme von Energiedienstleistungen in und außerhalb Waldkirchs (z.B. Wärme-Contracting)

- Mitte 2016 wurde mit dem Bau eines Wasserkraftwerks am Gewerbekanal begonnen

Diese Projekte sind in unseren Augen ein wichtiger Anfang, aber noch keine durchgreifende Energiewende. Deshalb wünschen wir uns von den Stadtwerken

- ein noch stärkeres Engagement für den Ausbau der Eigenstromerzeugung in Waldkirch mit Wind- und Wasserkraft, Kraft-Wärme-Kopplung und Solarenergie,

- beim Stromeinkauf einen Umstieg auf zertifizierten Ökostrom unter vollständigem Verzicht auf Atomstrom und auf Kohlestrom bis spätestens 2020,

- einen weiteren Ausbau von Energiedienstleistungen (Energieberatung, Wärmedienstleistungen, Contracting, Erhöhung der Energieeffizienz, Lastmanagement, Speicherlösungen)

- eine bessere Vernetzung und Kooperation mit anderen Stadtwerken und Ökostromanbietern zur Stärkung von kommunalen Energieversorgung.

Details zur Entwicklung der SWW und zu einzelnen Projekten finden Sie auch auf der SWW-Homepage.

‚BioErdgas’ von den Stadtwerken

Seit Januar 2010 bieten die Stadtwerke ‚BioErdgas’ aus regionaler Produktion für ihre Gaskunden an. Es handelt sich dabei um Biogas, das auf Erdgasqualität veredelt wird. Die SWW reagieren damit auf eine neue Umweltauflage, nach der Hausbesitzer in Baden-Württemberg ab 2010 durch das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz verpflichtet sind, bei Neubauvorhaben oder beim Austausch zentraler Heizungsanlagen mindestens 10 % des Wärmebedarfs aus erneuerbaren Energien zu decken. Außerdem bewerben die SWW ihr neues Produkt mit den Argumenten des CO2-neutralen Heizens und dem Ausbau moderner Biogasanlagen.

Auf Nachfrage haben wir von den Stadtwerken erfahren, dass das angebotene Biogas in Forchheim aus Mais, Sonnenblumen, Grünabfall und Grünroggen produziert wird.

Die Beurteilung des ökologischen Nutzens von Energie aus Biomasse ist komplex und wird derzeit kontrovers diskutiert. Denn obwohl Biogas zu den erneuerbaren Energien zählt, wirft es eine Reihe von Problemen auf, wenn es nicht aus organischen Abfällen erzeugt wird. Problematisch ist z.B. der Anbau von Energiepflanzen, der nur unter bestimmten Bedingungen Nachhaltigkeitskriterien genügen kann. Dieses Problem wird auch bei dem SWW-Produkt tangiert. Umweltbewussten Kunden empfehlen wir daher, als bessere Alternativen zunächst alle Möglichkeiten zu nutzen um ihren Gasverbrauch zu reduzieren (Dämmung, gezieltes Heizen, etc.) und ihren Wärmebedarf ggf. zusätzlich über Solarthermie zu decken.

Das BioErdgas der Stadtwerke wird hauptsächlich aus Energiepflanzen aus regionalem Anbau erzeugt. Hierbei sind folgende spezifische Probleme zu bedenken:

- Die Produktion von Energiepflanzen steht in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion, was weltweit zu steigenden Lebensmittelpreisen führt.

- Bei der Produktion von Energiepflanzen werden Dünger und Pestizide eingesetzt, für deren Herstellung erhebliche Mengen von Energie eingesetzt werden.

- Bei der Verwendung von Kunstdünger werden Stickoxide freigesetzt (z.B. Lachgas), die bis zu 30 mal klimaschädlicher sind als CO2.

 

Bitte fragen Sie auch selbst die Stadtwerke, wie sie den ökologischen Nutzen ihres BioErdgases anhand der oben dargelegten Probleme einschätzen.