Atomenergie: Gefährlicher Größenwahn von gestern

Die Atomenergie hat ihre Zukunft schon hinter sich. Einst angepriesen als unerschöpfliche Energiequelle erweist sie sich nun als schwerfälliger Dinosaurier der Energiewirtschaft, der wegen mangelnder Steuerungsfähigkeit mit erneuerbaren Energien nicht kompatibel ist. Ganz zu schweigen von dem seit Jahrzehnten ungelösten Problem, dass unserer Nachwelt für eine Million Jahre strahlender und hoch­giftiger Müll hinterlassen wird. Auf dieser Seite haben wir Ihnen wichtige Hintergrundinformationen zusammengestellt.

Laufzeitverlängerung von AKWs und neue Kohlekraftwerke überflüssig – keine Stromlücke in Sicht

Studie des Fraunhofer-Institut IWES belegt: Der Bedarf an konventionellen Großkraftwerken, die im Dauerbetrieb Strom produzieren, schrumpft im Jahr 2020 auf etwa die Hälfte.

„Nach den Ergebnissen der Studie sind alle Investitionen in zusätzliche fossile Kraftwerke, die auf eine dauerhafte Auslastung angewiesen sind, unwirtschaftlich. Denn diese Kraftwerke werden sich angesichts der realen Bedingungen von Angebot und Nachfrage auf dem Strommarkt nicht rentieren“, schlussfolgert Björn Klusmann, BEE-Geschäftsführer.
Hintergrundpapier zur Fraunhofer IWES-Studie.

Auch das Umweltbundesamt kommt in in seiner Studie „Atomausstieg und Versorgungssicherheit“ zu dem Ergebnis: „Der bis zum Jahr 2020 vorgesehene Ausstieg aus der Nutzung der Kernenergie gefährdet nicht die Versorgung Deutschlands mit Strom.“

Umweltbundesamt: „Eine Stromlücke ist nicht in Sicht
Aktueller Kommentar aus der ZEIT
• hjk

Sensationell: Deutschland hatte sogar im
1. Halbjahr 2011 einen Stromexportüberschuss

19.09.11 Jetzt öffentlich gewordene Zahlen des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft, BdEW, enthalten eine Sensation: Sogar im 1. Halbjahr 2011 hat Deutschland vier Milliarden Kilowattstunden Strom mehr exportiert als importiert.

Die Anhänger der Atomkraft hetzen seit Monaten: Deutschland schalte schein­heilig acht alte Atomkraft­werke ab und beziehe dann Atomstrom aus Frank­reich und Tschechien. Der BdEW hat jetzt die Strom­handels­zahlen für das erste Halbjahr 2011 veröffent­licht. Deutsch­land hat 29 Milliarden Kilowatt­stunden Strom in seine neun Nachbarländer geliefert und 25 Milliarden aus diesen Ländern bezogen.

Damit wird die seit Beginn des stürmischen Ausbaus der Erneuer­baren Ener­gien beobacht­bare Entwick­lung nur abgeschwächt aber nicht abgebrochen: Deutsch­land kann seit Jahren Stromüberschüsse exportieren. Der Über­schuss ist umso erstaunlicher, weil Frankreich wie Tschechien Atomstrom zu wett­bewerbs­widrigen Dumping­preisen anbieten, die weder die Atommüll- noch die Haftungs­kosten beinhalten und durch Investitions­subventionen gedrückt wurden.

Einige Medien wie der Focus hatten Probleme, die Zahlen des BdEW richtig zu deuten und sprachen von massiven Steigerungen von Atomstrom-Importen. Die Zeit hat dankenswerterweise die „Fakten, Fakten, Fakten“ wieder zurecht gerückt.• Raimund Kamm, hjk

(In der Grafik sind die Zahlen des 1. Halbjahres 2011 hoch gerechnet auf das ganze Jahr.)
Bericht der AGEB zum Energieverbrauch 1. Halbjahr 2011 

Die Atomlüge

Ein Film des NDR-Fernsehen stellt die drängenden Fragen und erhält zum Teil nur Achselzucken, Ausflüchte, aber auch erschreckende Antworten.

Atomstrom ist sauber, sicher, effizient und billig — behauptet die Atomindustrie. Aber: Wie sicher sind heute deutsche Atomkraftwerke im alltäglichen Betrieb und in Zeiten der Terrorgefahr wirklich? Was passiert wenn doch etwas passiert? Sind unsere Behörden und Einrichtungen für den Ernstfall einer AKW -Havarie vorbereitet? Was hat es mit den Leukämiefällen im Umkreis von AKWs auf sich?

Sehen Sie den Film hier, weitere Infos zum Film hier.
Danke an Buki für den Hinweis. • hjk

Wirtschaftsministerium hält Bericht zur Versorgungssicherheit zurück

10.09.10 Die Bundesregierung ist laut Energiewirtschaftsgesetz ver­pflich­tet, alle zwei Jahre, aktuell zum 31. 7. 2010, einen Moni­to­ring­bericht zur Ver­sor­gungs­sicher­heit zu veröffentlichen. Das ist bis heute nicht geschehen. Dieser Bericht würde offenbaren, dass wir Atomstrom nicht mehr brauchen.

Das Bundesministerium für Wirtschaft verzögert rechtswidrig die Veröffentlichung eines Berichts an die EU-Kommission, der entscheidende Daten über die zukünftige Energieversorgung Deutschlands enthält. Die Umweltschutz­organisa­tion Greenpeace reicht deshalb heute beim Berliner Verwaltungsgericht Klage ein. Das Wirtschaftsministerium muss die Daten über die Versorgungssicherheit bei der Elektrizitätsversorgung nach dem Energiewirtschaftsgesetz umgehend veröffentlichen. Aus dem Bericht lässt sich ableiten, ob die zukünftige Stromversorgung Deutschlands auch ohne Laufzeitverlängerungen bei Atomkraftwerken gesichert ist.

„Wirtschaftsminister Rainer Brüderle bricht deutsches Recht, nur um zu vertuschen, dass wir die Atomkraft in Deutschland nicht mehr brauchen. Schon der letzte Monitoring-Bericht aus dem Jahr 2008 kommt zu dem Schluss, dass die Versorgungssicherheit auch bei einem Atomausstieg bis 2020 gewährleistet ist, sagt Tobias Münchmeyer, Energieexperte bei Greenpeace. Der überfällige Bericht von 2010 wird diese Aussage noch deutlicher unterstreichen. Ihn zurückzuhalten kann in der aktuellen Debatte nur heißen, dass dadurch die überflüssige Atomkraft geschützt werden soll. Wir reichen deshalb heute eine Verpflichtungsklage zum Gesetzesvollzug gegen das Bundeswirtschafts­ministerium ein.

Die Bundesregierung hat Ende September ein langfristiges Energiekonzept beschloßen. Das Bundeswirtschafts­ministerium hatte hierfür mehrere Institute mit der Erstellung von vier Energieszenarien beauftragt. Die Rahmenbedingungen für die Berechnungen wurden vom Wirtschaftministerium vorgegeben und so gewählt, dass die Versorgungssicherheit als gefährdet erscheint und dadurch lange Laufzeiten der Atommeiler begründet werden können. Die Daten des zurückgehaltenen Monitoringberichts würden die Ergebnisse der Energieszenarien konterkarieren.

Ein Blick auf unseren drastisch gestiegenen Stromüberschuss bestätigt diese Vermutung. So sieht eine „Stromlücke“ nicht aus. • hjk

Brücke oder Sackgasse?

Wie teuer ist Atomstrom eigent­lich? Wie beein­flusst eine Lauf­zeit­verlän­gerung die wirt­schaft­lichen Grund­la­gen erneuer­barer Ener­gien? Wie entsorgt Frank­reich seinen Atommüll? …

Der Deutsch­land­funk hat eine Sonder­seite ein­gerich­tet, auf der die Sen­dun­gen zu Energie­themen zusammen­gefasst sind: Zukunft der Energie — zum Nachhören und Nachlesen.