Atomenergie: Gefährlicher Größenwahn von gestern
Laufzeitverlängerung von AKWs und neue Kohlekraftwerke überflüssig – keine Stromlücke in Sicht
„Nach den Ergebnissen der Studie sind alle Investitionen in zusätzliche fossile Kraftwerke, die auf eine dauerhafte Auslastung angewiesen sind, unwirtschaftlich. Denn diese Kraftwerke werden sich angesichts der realen Bedingungen von Angebot und Nachfrage auf dem Strommarkt nicht rentieren“, schlussfolgert Björn Klusmann, BEE-Geschäftsführer.
Hintergrundpapier zur Fraunhofer IWES-Studie.
Auch das Umweltbundesamt kommt in in seiner Studie „Atomausstieg und Versorgungssicherheit“ zu dem Ergebnis: „Der bis zum Jahr 2020 vorgesehene Ausstieg aus der Nutzung der Kernenergie gefährdet nicht die Versorgung Deutschlands mit Strom.“
Umweltbundesamt: „Eine Stromlücke ist nicht in Sicht“
Aktueller Kommentar aus der ZEIT
• hjk
Sensationell: Deutschland hatte sogar im
1. Halbjahr 2011 einen Stromexportüberschuss

Die Anhänger der Atomkraft hetzen seit Monaten: Deutschland schalte scheinheilig acht alte Atomkraftwerke ab und beziehe dann Atomstrom aus Frankreich und Tschechien. Der BdEW hat jetzt die Stromhandelszahlen für das erste Halbjahr 2011 veröffentlicht. Deutschland hat 29 Milliarden Kilowattstunden Strom in seine neun Nachbarländer geliefert und 25 Milliarden aus diesen Ländern bezogen.
Damit wird die seit Beginn des stürmischen Ausbaus der Erneuerbaren Energien beobachtbare Entwicklung nur abgeschwächt aber nicht abgebrochen: Deutschland kann seit Jahren Stromüberschüsse exportieren. Der Überschuss ist umso erstaunlicher, weil Frankreich wie Tschechien Atomstrom zu wettbewerbswidrigen Dumpingpreisen anbieten, die weder die Atommüll- noch die Haftungskosten beinhalten und durch Investitionssubventionen gedrückt wurden.
Einige Medien wie der Focus hatten Probleme, die Zahlen des BdEW richtig zu deuten und sprachen von massiven Steigerungen von Atomstrom-Importen. Die Zeit hat dankenswerterweise die „Fakten, Fakten, Fakten“ wieder zurecht gerückt.• Raimund Kamm, hjk
(In der Grafik sind die Zahlen des 1. Halbjahres 2011 hoch gerechnet auf das ganze Jahr.)
Bericht der AGEB zum Energieverbrauch 1. Halbjahr 2011
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Die Atomlüge
Atomstrom ist sauber, sicher, effizient und billig — behauptet die Atomindustrie. Aber: Wie sicher sind heute deutsche Atomkraftwerke im alltäglichen Betrieb und in Zeiten der Terrorgefahr wirklich? Was passiert wenn doch etwas passiert? Sind unsere Behörden und Einrichtungen für den Ernstfall einer AKW -Havarie vorbereitet? Was hat es mit den Leukämiefällen im Umkreis von AKWs auf sich?
Sehen Sie den Film hier, weitere Infos zum Film hier.
Danke an Buki für den Hinweis. • hjk

Wirtschaftsministerium hält Bericht zur Versorgungssicherheit zurück
Das Bundesministerium für Wirtschaft verzögert rechtswidrig die Veröffentlichung eines Berichts an die EU-Kommission, der entscheidende Daten über die zukünftige Energieversorgung Deutschlands enthält. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace reicht deshalb heute beim Berliner Verwaltungsgericht Klage ein. Das Wirtschaftsministerium muss die Daten über die Versorgungssicherheit bei der Elektrizitätsversorgung nach dem Energiewirtschaftsgesetz umgehend veröffentlichen. Aus dem Bericht lässt sich ableiten, ob die zukünftige Stromversorgung Deutschlands auch ohne Laufzeitverlängerungen bei Atomkraftwerken gesichert ist.
„Wirtschaftsminister Rainer Brüderle bricht deutsches Recht, nur um zu vertuschen, dass wir die Atomkraft in Deutschland nicht mehr brauchen. Schon der letzte Monitoring-Bericht aus dem Jahr 2008 kommt zu dem Schluss, dass die Versorgungssicherheit auch bei einem Atomausstieg bis 2020 gewährleistet ist, sagt Tobias Münchmeyer, Energieexperte bei Greenpeace. Der überfällige Bericht von 2010 wird diese Aussage noch deutlicher unterstreichen. Ihn zurückzuhalten kann in der aktuellen Debatte nur heißen, dass dadurch die überflüssige Atomkraft geschützt werden soll. Wir reichen deshalb heute eine Verpflichtungsklage zum Gesetzesvollzug gegen das Bundeswirtschaftsministerium ein.
Die Bundesregierung hat Ende September ein langfristiges Energiekonzept beschloßen. Das Bundeswirtschaftsministerium hatte hierfür mehrere Institute mit der Erstellung von vier Energieszenarien beauftragt. Die Rahmenbedingungen für die Berechnungen wurden vom Wirtschaftministerium vorgegeben und so gewählt, dass die Versorgungssicherheit als gefährdet erscheint und dadurch lange Laufzeiten der Atommeiler begründet werden können. Die Daten des zurückgehaltenen Monitoringberichts würden die Ergebnisse der Energieszenarien konterkarieren.
Ein Blick auf unseren drastisch gestiegenen Stromüberschuss bestätigt diese Vermutung. So sieht eine „Stromlücke“ nicht aus. • hjk
Brücke oder Sackgasse?
Der Deutschlandfunk hat eine Sonderseite eingerichtet, auf der die Sendungen zu Energiethemen zusammengefasst sind: Zukunft der Energie — zum Nachhören und Nachlesen.

Die Atomlügen
Lüge Nr. 1 - Atomkraft ist sauber, also fast CO2-frei. Wenn man bei der CO2-Bilanz die Urangewinnung, den Bau und Abbau der Kraftwerke und die Atommüllentsorgung mit einbezieht, kommt man auch auf erhebliche CO2-Werte: Atomkraftwerke erzeugen die siebenfache Menge CO2 pro kWh verglichen mit Wind- und Solarenergie (Quelle).
Lüge Nr. 2 - Atomstrom ist billig. Die geplante Entsorgung des Mülls, vor allem in der Asse, wird nach ersten Schätzungen vier Milliarden Euro kosten. Das zahlt allein der Steuerzahler. Dazu kommen beispielsweise die Erkundungen von Gorleben, der Ausbau von Schacht Konrad und die Rettung von Morsleben. Werden diese Kosten dazugerechnet, ist Atomstrom alles andere als billig.
Eine Studie von Greenpeace ermittelte für den Zeitrraum 1950 bis 2008 staatliche Subventionen in Höhe von 164,7 Milliarden Euro. Die Bundesregierung habe die Höhe der Subventionen hingegen nur auf 200 Millionen Euro beziffert, so Greenpeace. 10 Prozent der Staatsverschuldung gehen also allein auf das Konto der Atomenergie.
Monitor und Frontal 21
Lüge Nr. 3 - Deutsche Kraftwerke sind sicher. Die sogenannte Kikk-Studie zu Kinderkrebs rund um Atomkraftwerke (AKW) hat herausgefunden, dass das Leukämierisiko für Kinder im Umkreis der Kraftwerke signifikant erhöht ist. Eine andere beunruhigende Erkenntnis ist, dass die Terrorgefahr auch hinsichtlich der AKW erhöht ist. Geheime Studien bestätigen, dass die alten deutschen Reaktoren einem Terrorangriff aus der Luft nicht standhalten würden.
Lüge Nr. 4 - Ohne Atomstrom droht eine Versorgungslücke. Alternative Techniken der Energiegewinnung sind mittlerweile so weit entwickelt, dass nur noch der politische Wille fehlt, um die Energieversorgung an die alternativen Erzeuger zu übergeben. Wenn alle alternativen Energiemöglichkeiten ausgeschöpft werden und gleichzeitig alle Energiesparmöglichkeiten ausgenutzt werden, wäre die Abschaltung aller AKW möglich. hjk
Quelle: NDR
Bericht Frontal 21
