Flashmob: Trillerpfeifen für das Klima
WALDKIRCH. Bis kurz vor 12 Uhr war der Waldkircher Wochenmarkt am Samstag ganz normal: An den Ständen herrschte der übliche Andrang, der Förderverein der Stadtkapelle verkaufte Kapellenwein und "Hoffnung für Kinder" übergab die Preise vom Luftballonwettbewerb beim Stadtfest. Punkt Zwölf holten jedoch auf einmal mehrere dutzend Leute plötzlich Trillerpfeifen, Ratschen, Topfdeckel und andere Krach-Instrumente aus den Taschen und beteiligten sich so an einer Blitzaktion für den Klimaschutz.
Auch mehrere Plakate wurden entrollt, die meisten mit der Aufschrift "Klimaschutz 5 nach 12", denn gedacht war die von der Bürgerinitiative Energiewende und anderen Umweltschutzgruppen ins Leben gerufene Aktion zur Unterstützung der Weltklimakonferenz. Bekannt gemacht worden war die Aktion ausschließlich über E-Mails, weshalb sie auch von den Organisatoren nicht mit "Blitz- aktion" tituliert wurde, sondern im Internet-Jargon mit "Flashmob".
Waldkirch erlebte also seinen ersten "Flashmob". Der Begriff Flashmob bezeichnet einen blitzartigen, kurzen, scheinbar spontanen Menschenauflauf auf öffentlichen oder halböffentlichen Plätzen, bei denen sich die Teilnehmer üblicherweise persönlich nicht kennen und ungewöhnliche Dinge tun, ist dazu im Internet nachzulesen. Flashmobs werden über Online-Communitys, Weblogs, Newsgroups, E-Mail-Kettenbriefe oder per Mobiltelefon organisiert. Sie gelten als spezielle Ausprägungsformen der virtuellen Gesellschaft. Für viele hat der Blick ins E-Mail-Postfach zu Hause längst die gleiche Selbstverständlichkeit wie der Gang zum Hausbriefkasten. Am Samstag trafen sich vor allem die Mitglieder der E-Mail-Verteiler der Bürgerinitiative Energiewende, Offenen Liste, Bündnis 90/Die Grünen, Naturschutzbund und Bund für Umwelt und Naturschutz aus Waldkirch auf dem Marktplatz und sahen, dass ihre Befürchtung, so einem Internet-aufruf würde ja wohl kaum jemand folgen, völlig neben der Realität lag. Auf jeden Fall machten die Blitzaktionsteilnehmer gehörigen Krach und zogen die Blicke auf sich. Fünf Minuten lang – eben bis "5 nach 12" – wurde getutet, geratscht, getrillert, gescheppert, getrötet und geklopft. Dann war wieder Stille.
Wolfgang Schäfer, BI Energiewende, bedankte sich – natürlich auch per E-Mail-Kettenbrief – für die zahlreiche Teilnahme. "Mit diesem ,Weckruf’ haben wir ein Zeichen gesetzt, dass viele Waldkircher Bürger eine konsequente Klimaschutzpolitik und einen erfolgreichen Abschluss der Kopenhagener Klimaschutz­konferenz wünschen. Nun muss es aber weiter darum gehen, Druck für die nötigen politischen Veränderungen aufzubauen." Jeder könne hier aktiv werden, jeder auch noch so kleine Beitrag sei wichtig. Kürzlich, so Schäfer, habe er folgendes tibetisches Sprichwort kennen gelernt: "Ein Baum, der fällt, macht mehr Krach als ein Wald, der wächst". "Lasst uns weiter dazu beitragen, dass die konstruktiven leisen Kräfte des ,wachsenden Waldes’ die Oberhand über die Zerstörungsprozesse bekommen. Auch wenn wir am Samstag mal Krach gemacht haben", fordert Schäfer.
