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Erneut defekte Spaltelemente im
Atomkraftwerk Gundremmingen

02.10.11 Im Block C des AKW Gund­remmin­gen wurden jetzt beim Revisions­still­stand erneut undichte Spalt­ele­men­te ent­deckt. Dies­mal gleich vier und alle vom heiklen pluto­nium­hal­ti­gen MOX-Typ. Ver­schämt mel­de­te das AKW diesen Vor­fall Frei­tag­abend zum Redak­tions­schluss.

Im letzten AKW Deutschlands mit ver­alteten Siedewasserreaktoren häufen sich die Schäden an den Spalt­ele­men­ten (ver­harm­lo­send auch „Brenn­ele­mente" genannt). Das über­rascht Fach­leute nicht, da infolge des Sie­dens – also Kochens – des Wassers zwischen den Spalt­ele­men­ten (SE) diese schnel­len Tem­pe­ra­tur­ände­rungen ausge­setzt sind und somit zu Material­schäden neigen.

In Siedewasserreaktoren ist auch der Wärmeübergang von den Spalt­ele­men­ten zum Wasser des Haupt­kreis­laufes unregel­mäßiger und somit ma­te­rial­strapa­zierender als in Druck­wasser­reak­toren. Zugleich führen die Dampf­blasen dazu, dass die Neu­tro­nen­strah­len immer wieder unge­bremst die Hüllen der Spalt­ele­mente treffen und schwächen.

Hinzu kommt, dass das AKW Gund­remmingen Vorreiter bei reaktor­tech­ni­schen Ver­su­chen spielt. Es war auf der Welt das erste AKW mit Sie­de­wasser­reak­toren, das in großem Um­fang die brisanten MOX-Spalt­ele­men­te ein­ge­setzt hat.

Dagegen haben Umwelt­schützer 1991/92 mit 40.000 Einwen­dungen protes­tiert. Aber Bayerns Umwelt­mi­nis­ter Gau­weiler und Goppel hatten keine Skrupel, diesem Pluto­nium­ver­such in Gund­remmin­gen freie Bahn zu ver­schaf­fen.

Das AKW Gund­rem­min­gen ist der letz­te Stand­ort Deutsch­lands, wo zwei Re­ak­toren an einem Ort betrie­ben wer­den. Und das sind auch noch die letz­ten Siede­wasser­reak­toren unseres Landes. Sie haben nur einen Haupt­kreis­lauf und in ihnen werden durch die unge­bremste Neutron­en­strah­lung die Mate­ria­lien des Reak­tor­druck­behäl­ters wie der Spalt­ele­mente stärker strapa­ziert. • rkamm, Foto: Felix König