Den von den Stadtwerken Waldkirch (SWW) angebotenen „PowerAbo-AquaStrom“ (aus älteren norwegischen Wasserkraftanlagen) können wir aus folgenden Erwägungen nicht als gleichwertige Alternative akzeptieren:
- Die von den SWW verwendeten Zertifikate dienen lediglich zur separaten Vermarktung von seit 30-50 Jahren im Strommix enthaltenem Wasserkraftstrom als Ökostrom. „Der ökologische Nutzen ist derzeit null“ (O-Ton Hr. Nagel, Der Sonntag vom 20.1.08). Erst wenn der „Reststrom zu 100 % aus Atom- und Kohlestrom besteht, ist auf diesem Weg ein Zubau von umweltfreundlichen Kraftwerken zu erwarten.
- Dagegen geben die EWS Schönau durch Verträge mit neuen Wasserkraftwerken und Zusatzvereinbarungen die heute bestmöglichen Impulse in den Markt, um einen Zubau an regenerativer Stromerzeugung zu stimulieren.
- Weiterhin engagieren sich die EWS Schönau als bundesweiter Vorreiter deutlich konsequenter als die Stadtwerke für einen zukunftsfähigen und klimaschonenden Umbau der Energiewirtschaft. Die Atomenergie scheidet dabei wg. der ungeklärten Entsorgung, der bekannten Sicherheitsprobleme und der mangelnden Versorgungssicherheit bei zunehmenden Trockenperioden aus.
Wir haben Verständnis dafür, wenn die SWW den Verwaltungsaufwand bei der Abrechnung von Ökostromkunden verringern wollen. Auf unser Unverständnis stößt jedoch, dass die Stadtwerke als praktikable Lösung den Einkauf eines der SchönauStrom-Nachfrage entsprechenden Stromkontingents („Stromband“) ablehnen (s. BZ vom 7.2.08).
Somit zwingen die Stadtwerke ihre ökologisch orientierten Kunden und unsere Bürgerinitiative in einen nicht einvernehmlich zu lösenden Zielkonflikt zwischen einer rein marktwirtschaftlichen Orientierung am besseren Produkt und dem lokalen Nutzen einer weiteren Kundenbeziehung mit den Stadtwerken. Dieser Konflikt ist von uns nicht gewollt. Wir haben deshalb die wechselwilligen Ökostromkunden gebeten, mit dem Abschluss eines Liefervertrags bei den EWS Schönau bis zum 15.2.08 zu warten und ggf. einen solchen Wechsel auf zunächst 1 Jahr zu befristen. Damit soll den SWW eine kurz- und eine mittelfristige Gelegenheit gegeben werden, noch auf unsere Kundenwünsche zu reagieren.
Wir wünschen uns eine weitere Kooperation unserer Stadtwerke mit den EWS Schönau, da dies für die SWW die Chance bietet, modellhaft einen dritten Weg zwischen den derzeit marktbeherrschenden Stromkonzernen und reinen Ökostromanbietern zu beschreiten. Wir möchten darauf bestehen, dass die Stadtwerke weiterhin einen der Nachfrage entsprechenden, glaubwürdigen Ökostrom-Tarif anbieten. Damit soll der Verlust besonders engagierter Kunden vermieden werden, die in der Vergangenheit wegen der lokalen Wertschöpfung sogar bereit waren, einen höheren Strompreis als bei den Schönauern direkt zu entrichten. Angesichts des derzeitigen Stadtwerke-Kurses fragen wir uns jedoch auch, inwieweit dieser durch die 25,1 %-ige Beteiligung der EnBW an der Stromsparte des SWW Anteilseigners „Albwerke“ mitbestimmt wird.
Auszug aus einer Stellungnahme des Öko-Instituts zum Strom-Zertifikatehandel:
"Auf der anderen Seite dienen diese Ökostromangebote der Kundenbindung. Stellt beispielsweise ein Stadtwerk seine Kunden auf einen Ökostromtarif ohne Zubauwirkung um, kann damit gerechnet werden, dass zahlreiche prinzipiell wechselwillige Kunden bei dem Versorgungsunternehmen bleiben werden. Dies liegt vor allem daran, dass die meisten Kunden aufgrund der Komplexität der Materie keinen Unterschied zwischen Ökostrom mit bzw. ohne Zubauwirkung erkennen. Infolgedessen werden viele derjenigen Kunden, die mit dem Gedanken spielen, zu einem Ökostromanbieter mit Zubauwirkung zu wechseln, diesen Wechsel nicht vollziehen. Die Folge sind geringere Wechselraten zu den Produkten, die wirklich für einen Ausbau der Ökostromerzeugung und damit einen ökologischen Mehrwert sorgen".
Übrigens: Die Stadtwerke Gengenbach vertreiben seit 1. April 2010 in ihrem Stromnetz Ökostrom aus Schönau!
ws
